Für jede Gelegenheit das passende Outfit!

Was für andere ihr Auto ist, war für mich immer das Fahrrad. Einkaufen, Kinder abholen, Freizeit, Freunde besuchen u.s.w.
Schlimm genug, dass mir das Gehen immer schwerer viel, die Gehstrecke abnahm. Aber dann geschah etwas, dass mich vollends aus der Bahn zu werfen drohte.

Ich konnte nicht mehr Fahrrad fahren!!!
Wie bitte sollte ich alles erledigen, wie am sozialen Leben teilnehmen? Nur noch zu Hause rum hängen oder schon in den Rolli? NEIN!  Also was tun? Die Lösung schien ein Dreirad mit Elektroantrieb. Aber viel zu teuer, wenn man eh schon nur das so genannte Existenzminimum zur Verfügung hat. Meiner Kollegin kam die rettende Idee. Sie hatte in einer Talksendung einen Bericht von Nathalie Todenhöfer (auch an MS erkrankt) und deren Stiftung gehört. Ihre Idee „nimm doch mal Kontakt auf, vielleicht kann man dich dort unterstützen“.
Eigentlich war es mir peinlich, aber ein Versuch war es Wert. Nachdem ich den Antrag gestellt hatte, erhielt ich einige Tage später einen Anruf von Nathalie Todenhöfer, die mir mitteilte, dass die Stiftung mich unterstützen wolle. Diesen Moment werde ich sicher nie vergessen! Ich erhielt eine großzügige Spende und konnte mir so mein E-Trike anschaffen.
Mein Leben mit MS bzw. trotz MS wurde wieder richtig lebenswert. Ich konnte wieder zum Sport, an den Rhein, Einkäufe erledigen u.v.m.
Das war auch der Anfang, nicht mehr nur Groll auf die MS zu haben, sondern ich fing an, mich im wahrsten Sinne des Wortes „frei zu strampeln“. Mobilität ist wichtig und mir wurde zunehmend klar, dass ich mir diese so lang wie möglich erhalten muss. Egal ob zu Fuß, mit dem Rolli, dem Fahrrad oder dem E-Scooter.

Hauptsache raus und am Leben teilnehmen.
Mittlerweile habe ich somit für „jede Gelegenheit das passende Outfit". Beim Konzert von Udo Lindenberg war der Rolli passend, ein Marktbesuch oder für Strecken mit der Bahn ist der E-Scooter („Schnecke“) super. Für alles andere nehme ich meinen „Hasen“, mein E-Trike !
Ach, noch etwas: Durch diese veränderte Einstellung habe ich mich immer mehr aus meinem selbst gewählten Schneckenhaus befreit und viele liebe Menschen kennen gelernt, die mir sehr gut tun und mir Gutes tun.  

Petra Schneider