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Multiple Sklerose – Welche MS-Therapien gibt es?

Wie bereits unter "MS - was ist das überhaupt?" dargestellt, geht man heutzutage davon aus, dass bei der MS  eine überschießende Immunreaktion vorliegt. So gilt die MS als chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem nicht mehr zwischen "selbst" und "fremd" unterscheiden kann und über autoaggressive weiße Blutkörperchen (v.a. T-Lymphozyten) körpereigene Strukturen (v.a. das Myelin der Nervenzellfortsätze) angreift.

Medikamentöse Therapiemöglichkeiten

Ähnlich individuell wie der Krankheitsverlauf (MS = Krankheit mit den 1000 Gesichtern) ist auch die Therapie von Patient zu Patient verschieden und muss individuell angepasst werden. Ein und dasselbe Therapeutikum wirkt beim einen und beim anderen jedoch nicht.

Unterscheiden müssen wir zwischen Cortison, Immunmodulatoren, Immunsuppressiva  und symptomatischen Therapien.

Während Immunmodulatoren das Immunsystem eher in Richtung weniger Aggressivität beeinflussen, fahren Immunnsuppressiva unspezifisch das gesamte Immunsystem, sprich alle weißen Blutkörperchen (also auch die autoaggressiven T-Zellen) herab. Der Preis dafür ist eine gesteigerte Infektions- und Tumorrate.  Zu nennen sind hier Aziathiopren, Mitoxsandron, Cyclophosphamid und Methotrexat.

Neben den Immunsuppressiva ergaben sich in den vergangenen Jahren erfolgreiche Behandlungsan- sätze im Sinne der Immunmodulation. In diesem Zusammenhang sind Beta-Interferone, Copolymer1, Natalizumab u.a. monoklonale Antikörper sowie Fingolimod (wirkt auch immunnsuppressiv) aufzu-führen. Kürzlich zugelassen wurden Teriflunomid und Fumarsäure ( näheres hierzu auf der DMSG Homepage).
Langfristig wird die schubförmige MS heute per Stufenplan behandelt. Leitlinien zur Behandlung der MS finden Sie hier.

Als unspezifisch, aber effektiv entzündungshemmend zeigt sich das Cortison, das die Dauer eines akuten Schubes verkürzt, aber den MS-Verlauf grundsätzlich nicht beeinflusst. Eine Dauertherapie ist somit nicht indiziert. Bei Einsatz der ultrahochdosierten Kurzzeit-Infusionstherapie sind Nebenwir-kungen eher selten und gering, bei langfristigem Cortisoneinsatz hingegen kann es zu Gewichtsveränderungen, Akne, Magenentzündungen, Blutzuckererhöhung, Entkalkung des Knochens und Bluthochdruck kommen. Überdies zeigen einige Menschen Veränderungen in ihrem psychischen Befinden (z.B. gehobene Stimmungslage).

Die symptomatischen Therapien setzen am jeweiligen Krankheitszeichen selbst an und versuchen, die unter den gegebenen Umständen bestmögliche Lebensqualität durch Vermeiden von vor allem immobilisationsbedingten Sekundärkomplikationen (z.B. Dekubitus, Thrombose, Aspiration) zu erreichen.  So sind hier die medikamentöse Behandlung der Spastik durch Antispastika (z.B. Baclofen) wie auch die Behandlung von Blasenstörungen (z.B. Medikamente zur Hemmung der Überaktivität der Blase) nur Beispiele einer umfassenden Palette medizinischer Behandlungsansätze.

Über die medikamentöse Therapie hinaus spielen Behandlungen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder auch Psychotherapie/Neuropsychologie eine wichtige Rolle bei der Behandlung der MS-bedingten Symptome.

Informationen können das vertrauesvolle Gespräch mit dem Facharzt nicht ersetzen. Gut informierte Patienten können aber über den eigenen Therapieweg besser mitentscheiden.

Letzte Aktualisierung 28.01.2015